|
Der Führungsoffizier war für einen IM des MfS in etwa dasselbe wie im Verfassungsschutz der BRD der V-Mann-Führer für den V-Mann: Er war der Ansprechpartner des IM auf der Seite des Geheimdienstes.
Der Führungsoffizier
- war Hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter
- gehörte zu den so genannten operativen Mitarbeitern
- hatte in der Regel einen Offiziersdienstgrad (ab Unterleutnant aufwärts)
- war häufig auch derjenige, der den IM geworben hatte, und
- oftmals sogar das einzige Gesicht, das der IM eindeutig dem MfS zuordnen konnte.
Es gab einige wenige Ausnahmen von diesen Punkten: Vereinzelt und nur zeitweise gab es Unteroffiziersdienstgrade, die Aufgaben eines Führungsoffiziers wahrnahmen. Das kam (selten!) in Hauptabteilungen vor, die eine hohe Personalfluktuation hatten, überlastet waren - etwa in der HA XVIII - und bei der Auswahl ihrer operativen Mitarbeiter z.B. auf solche aus den Wach- und Sicherungseinheiten zurückgriffen. Ebenfalls nur in Einzelfällen gab es Führung von IM durch andere IM, etwa durch HFIM.
Aus der Zahl der Planstellen für Führungsoffiziere lässt sich für die Diensteinheiten des MfS die Zahl der IM grob abschätzen, wenn man die Faustformel 8 IM pro Führungsoffizier verwendet. Je nach Linie gab es davon aber teils deutliche Abweichungen.
Die Führungsoffiziere waren ihren Vorgesetzten für die IM-Arbeit verantwortlich. Der Vorgesetzte musste die Werbung genehmigen und erhielt Berichte über den Fortgang und eventuelle Probleme der Führung. Die IM-Arbeit (z.B. Anzahl der Werbungen, Anzahl der Treffs, Qualität der gesammelten Informationen) wurde im Rahmen des sozialistischen Wettbewerbs ? abgerechnet, "nach oben" gemeldet und trug zur Plan ?erfüllung der Diensteinheit bei.
Wichtige IM wurden von nicht von "einfachen" operativen Mitarbeitern geführt, sondern mit steigender Bedeutung von Referats-, Abteilungs- oder Hauptabteilungsleitern. Ein Beispiel dafür ist der IM "Martin" alias Günther Forgber, der zuletzt vom Chef der HA XVIII geführt wurde. In Ausnahmefällen nahmen sich sogar die Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit einzelner IM an, aber dabei handelte es sich schon mehr um politische Dimensionen bzw. die höchsten Sphären der Gesellschaft (wie z.B. die Beziehung zum Rechtsanwalt Wolfgang Vogel). Mielke selbst hat sich über wichtige IM-Vorgänge informieren lassen, aber wohl nur einen OibE und Ex-IM selbst geführt - nämlich Schalck-Golodkowski.
Für die IM-Arbeit des MfS war es sehr wichtig, eine enge Bindung zwischen Führungsoffizier und dem von ihm geführten IM herzustellen. Das hieß auch, dass ein Wechsel des Führungsoffiziers bzw. die Übergabe des IM problematisch war und nach Möglichkeit zu unterbleiben hatte.
In manchen Fällen konnte der Führungsoffizier mit dem bzw. durch den IM Karrieresprünge machen, wenn sich das "Gespann" als erfolgreich erwies. Entsprechende Berichte sind vor allem aus der Hauptverwaltung Aufklärung überliefert, da die Agentenführung im westlichen Ausland naturgemäß schwieriger war. Das Risiko, mit einem neuen Führungsoffizier vielleicht das Vertrauen eines mühsam gewonnenen Informanten zu verlieren, wurde in der HVA besonders kritisch eingeschätzt. Führungsoffizieren der HVA war es untersagt, den Kundschafter direkt im Operationsgebiet zu besuchen, dafür gab es die als Kuriere fungierenden (hauptamtlichen) IM oder man lud den Kundschafter in die DDR oder befreundete Länder zum Treff ein.
|