Jugendweihe

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Die Jugendweihe wurde unter diesem Namen zuerst 1852 von Eduard Wilhelm Baltzer, einem evangelischen Prediger einer freikirchlichen Gemeinde in Nordhausen, durchgeführt. Er wollte eine christliche Firmung von Jugendlichen innerhalb seiner freireligiösen Gemeinde an Stelle der Konfirmation ?. Da die Begriffe Konfirmation und Kommunion durch die beiden großen christlichen Staatskirchen belegt und geschützt waren, ersann Baltzer den Begriff Jugendweihe. Inhaltlich blieb es jedoch eine Weihe auf christlich-protestantischer Basis, bis diese Bezeichnung später durch Freidenker, Sozialdemkoratie und die Kommunistische Partei für ihre Zwecke vereinnahmt wurde.

So wurden, um die christliche Herkunft der Jugendweihe zu verbergen, zwischenzeitlich viele der (weltlichen) Weihen als sogenannte Schulentlassungsfeiern bezeichnet, die ab 1889 aus Berlin, 1890 aus Hamburg und Erfurt bekannt geworden sind. Der Name Jugendweihe setzte sich erst wieder nach dem 1. Weltkrieg durch. Die religiös gebundenen Jugendlichen der freien Glaubensgemeinschaften wurden nach einem entsprechenden Unterricht zu einem religiös-sittlichen Lebenswandel verpflichtet und dann feierlich in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen. Bei nicht religiös gebundenen Familien wie Freidenker, Sozialdemokraten und Kommunisten fand die Jugendweihe in der Weimarer Republik großen Anklang.

  • In der DDR wurde die die Jugendweihe zur offiziellen, staatlich organisierten sozialistischen Feier am Ende des 8. Schuljahres. In einem Gelöbnis mußten sich die Schüler zum Sozialismus und zur DDR als ihren Staat bekennen und wurden dann in die Reihe der Erwachsenen aufgenommen. Der Zentrale Ausschuß für Jugendweihe wurde im November 1954 gegründet und die Jugendweihe selbst erstmals im Frühjahr 1955 durchgeführt. Damals nahmen 52.322 Jugendliche (17,7 % der 14-jährigen, 1983 waren es über 98 %) an der Jugenweihe teil. Seit 1956 wurde die Jugendweihe in das Buch der Familie ? eingetragen. (1976 nicht mehr) Die Durchführung des Unterrichts und der Feierlichkeiten wurden von den "Ausschüssen für Jugendweihe" in ehrenamtlicher Arbeit getragen. Schon durch den staatlichen Charakter war die Teilnahme de facto keineswegs freiwillig. Erklärtes Ziel war, ein Gegenstück und die Ablösung von evangelischer Konfirmation und katholischer Kommunion zu schaffen. Am 29. September 1957 erklärte Walter Ulbricht in Sonneberg u.a. die: Jugendweihe in den letzten Jahren immer mehr zu einem Fest in unserer Republik...Wir sind dafür, daß jeder Junge, jedes Mädchen teilnimmt...ist auch Sache der Volksbildungsabteilungen in den Räten..von Notwendigkeit der Teilnahme an der Jugendweihe zu überzeugen...und überlebte alte Glaubenssätze über Bord werfen... Auch die Kirchen ihrerseits hatten wegen der atheistischen Grundhaltung des Unterrichts und der Feier deren Unvereinbarkeit erklärt, diese jedoch nicht strikt durchzusetzen vermocht.

  • Das Buch zur Jugendweihe: Weltall Erde Mensch später "Der Sozialismus - Deine Welt" und "Vom Sinn unseres Lebens"

  • Das öffentliche Gelöbnis (Fassung 1985):

LIEBE JUNGE FREUNDE!

Seid ihr bereit, als junge Bürger unserer Deutschen Demokratischen Republik mit uns gemeinsam, getreu der Verfassung, für die große und edle Sache des Sozialismus zu arbeiten und zu kämpfen und das revolutionäre Erbe des Volkes in Ehren zu halten, so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR!

Seid ihr bereit, als treue Söhne und Töchter unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates nach hoher Bildung und Kultur zu streben, Meister eures Fachs zu werden, unentwegt zu lernen und all euer Wissen und Können für die Verwirklichung unserer großen humanistischen Ideale einzusetzen, so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR!

Seid ihr bereit, als würdige Mitglieder der sozialistischen Gemeinschaft stets in kameradschaftlicher Zusammenarbeit, gegenseitiger Achtung und Hilfe zu handeln und euren Weg zum persönlichen Glück immer mit dem Kampf für das Glück des Volkes zu vereinen, so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR!

Seid ihr bereit, als wahre Patrioten die feste Freundschaft mit der Sowjetunion weiter zu vertiefen, den Bruderbund mit den sozialistischen Ländern zu stärken, im Geiste des proletarischen Internationalismus zu kämpfen, den Frieden zu schützen und den Sozialismus gegen jeden imperialistischen Angriff zu verteidigen, so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR!

Wir haben euer Gelöbnis vernommen. Ihr habt euch ein hohes und edles Ziel gesetzt. Feierlich nehmen wir euch auf in die große Gemeinschaft des werktätigen Volkes, das unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei, einig im Willen und im Handeln, die entwickelte sozialistische Gesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik errichtet.

Wir übertragen euch eine hohe Verantwortung. Jederzeit werden wir euch mit Rat und Tat helfen, die sozialistische Zukunft schöpferisch zu gestalten.

siehe auch zum Thema sozialistische Namensweihe






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